Jesus, ich bins, Paul!

ID-10054174Paul sitzt auf den kalten Steinen der Kirchentreppen von St. Jakob. Wie so oft bettelt er um Almosen. Wenn Gottesdienst ist, öffnet er den Besuchern die Tür und lächelt sie mit seinem fast zahnlosen Mund freundlich an.
Der 55jährige gehört zur Schar der Obdachlosen die ums tägliche Überleben kämpfen. Wenn der Abend kommt, dann greift er zur Flasche. Der Alkohol betäubt dann die Leere in seiner Seele, wenn auch nur für kurze Zeit.
Für die Leute des Viertels gehört Paul irgendwie zu der Kirchentreppe, so wie eine Statue. Und so behandeln sie ihn auch. Die meisten beachten ihn kaum.
Der Pfarrer die Gemeindeschwester Petra, kümmern sich um ihn. Vor allem Schwester Petra kommt jeden Tag zu ihm. Er freut sich über ihre Besuche, bei der sie ihm auch immer etwas zu Essen mitbringt.

Und jeden Abend, wenn es dunkel ist, und ihn keiner sieht, schlüpft Paul in die dunkle und leere Kirche. Dort sitzt er schweigend und bewegungslos fast eine Stunde. Dann schlurft er wieder nach draußen. Schwester Petra fragte ihn einmal: „Paul, ich sehe, dass du jeden Abend in die Kirche gehst. Was machst du denn dort in dieser Stunde? Betest du?
Was ich da mache? Das ist ganz einfach: Ich gehe zum Tabernakel, dort wo Jesus ganz allein in seinem Kästchen ist, und sage ihm: Jesus! Ich bin’s Paul. Ich komme dich besuchen. Und dann bleibe ich noch ein bisschen, damit halt jemand da ist.“

An einem Morgen bleibt der Platz, an dem Paul so viele Jahre gesessen hat, leer. Schwester Petra macht sich sofort auf die Suche nach ihm. Nach einiger Zeit findet sie ihn im Krankenhaus, das in der Nähe der Kirche ist. Am Morgen fanden ihn Passanten bewusstlos unter einer Brücke und holten den Notarzt. Jetzt liegt Paul im Krankenbett. „Sind Sie eine Angehörige?” Die Stimme des Arztes schreckt Petra aus ihren Gedanken. „Nein, aber ich werde mich um ihn kümmern, antwortet sie spontan. „Da gibt es nicht mehr viel zu tun. Er liegt im Sterben.

Am nächsten Tag kommt Schwester Petra wieder und ist schon darauf gefasst, die traurige Nachricht von seinem Tod zu bekommen… Aber nein, was ist das? Sie traut ihren Augen nicht. Paul sitzt aufrecht und frisch rasiert in seinem Bett. Mit wachen Augen und lebendigem Blick schaut er die hereinkommende Schwester freudig an. „Paul, das ist ja unglaublich. Du bist wirklich auferstanden. Du bist gar nicht mehr wieder zu erkennen: Was ist nur mit dir passiert?“ „Na ja, es war gestern Abend, kurz nachdem du gegangen bist. Da ging es mir gar nicht gut. Da habe ich plötzlich jemand hier am Fußende meines Bettes stehen sehen. Er war schön, unbeschreiblich schön … Das kannst du dir gar nicht vorstellen! Er lächelte mich an und sagte: Paul! Ich bin s, Jesus. Ich komme dich besuchen.“

Paul hat seit diesem Tag keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Schwester Petra hat ihm im Pfarrhaus ein kleines Zimmer gegeben und ihm eine Stelle als Gärtner besorgt. Sein Leben hat sich seit jenem Tag komplett geändert. Aber eines ist geblieben: Wenn es dunkel wird, dann schlüpft er in die Kirche, setzt sich vor den Tabernakel und sagt: „Jesus, ich bin’s, Paul. Ich komme dich besuchen.
(Von Jürgen Wetzel – leicht gekürzt – nach einer wahren Begebenheit)

Einige Fragen persönlich für dich:
Welcher „Paul“ sitzt vor deiner Gemeinde? Welchen Paul gibt es in deiner Nachbarschaft, in deiner Schule oder an der Arbeitsstelle?
Vielleicht hat Gott schon lange angefangen an dieser Person zu wirken – und wo ist deine Aufgabe in dem Ganzen (so wie Schwester Petra)

aus www.jugendleiternetz.de

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